Zum Glück ist längst Vergangenheit, dass die Jagd das Privileg der Fürsten und Landesherren war, die sich als Zeichen der Jagdausübung mit Jagdschmuck in Gold schmückten. Während Diana, die Göttin der Jagd, von Lucas Cranach 1530 bis auf ein Collier vollkommen nackt einem Jäger im grünen Wams zur Seite gesetzt wurde, stellen ihre modernen Schwestern weitergehende Ansprüche an Bekleidung und Schmuck. Die oberen Eckzähne von Rotwild und Wapiti müssen es sein: Grandln eingefasst in Silber und Gold.
(Foto: Antikschmuck)
Dank Yves Saint Laurent, der Mitte der 70-er Jahre die Landhausmode kreierte, haben Jäger(innen) auch im Alltagsleben heute wieder Spass an Traditionen und tragen Grandlschmuck am Trachtenjanker zu Jeans oder zu schicken Leinenkostümen auch bei nichtjagdlichen Anlässen als Ausdruck ihrer Passion.
Trotz der weitgehenden Aufhebung traditioneller Schranken wird man bis heute kaum einen norddeutschen Dianajünger mit Gamsbart oder einen Gebirgsjäger mit Erpellocken am grünen Hut sehen, wohingegen sich Grandlschmuck als schmückendes Signal der Zugehörigkeit zur Jägerschaft etabliert hat - weitgehend befreit von der Erwartung der Öffentlichkeit, dass die Trophäe vom Schmuckträgers selbst erjagt wurde.
Jagdschmuck ist ein traditioneller Herrenschmuck. Selbst Männer von altem Schrot und Korn, die kein Goldkettchen jemals an ihre nackte Haut lassen würden, es sei denn es würde von ihrer Diana getragen, schmücken sich unauffällig mit Krawattennadel, Manschettenknöpfen oder dem Herrenring mit Eichenlaub und Grandln und demonstrieren damit ihre Zugehörigkeit.
Früher musste die Jägersgattin oft Jahre darauf warten, bis die erbeuteten Grandln für den Komplettschmuck reichten was zu der respektlosen Betrachtung führte, Jagdschmuck für Frauen sei nur etwas für die älteren Semester. Dianas junge Schwestern braucht derlei erzwungene Zurückhaltung nicht zu kümmern: einige Schmuckmanufakturen haben sich dem Konsumwunsch ihrer Kundinnen angepasst, so dass vom sexy Ohrhänger bis zum klimpernden Grandlarmband jede Sehnsucht schnell erfüllt werden kann was gewiss besser über die Zeit hinwegtröstet, die der jagende Gefährte auf der Pirsch verbringt.
Nach wie vor gelten aber auch die selbst erbeuteten Grandln, von kundiger Hand eines Goldschmiedes gefasst, als besondere Liebesgabe des Jägersmannes an seine Jägerin, die vom waidwerkenden Mann durchaus auch als kleine Abgeltung für viele einsame Stunden verstanden wird.

